04 Journal London Tagebuch – Shadow Eurydice says

London Tagebuch

Shadow. Eurydice says

04 Journal London Tagebuch – Shadow Eurydice says

7 Okt 22 – Freitag

Anreise in London Heathrow – nach einer schönen und intensiven Probenzeit im Sommer im Waldviertel kommen Alexandra Sommerfeld und ich auf Einladung des ACF London am Freitag, 7. Oktober, in London an. Ursprünglich war die Premiere schon im Herbst 2021 anlässlich des 75. Geburtstages von Elfriede Jelinek geplant, aber auch bei uns kam Corona dazwischen…

Am Abend ist die erste Probe am Spielort. Vorher geht´s noch zu Ottolenghi ins Restaurant in der Pavilion Road. Einfach sehr gut. 

8 Okt 22 – Samstag

Von unserem Badezimmer aus – wunderbarer Ausblick über London – wir wohnen in South Kensington direkt am Hydepark. 

Neben unserem Produktionstier, diesmal einem Fisch – er war schon bei SCHATTEN (Eurydike sagt) in Wien dabei – treffen wir hier auf unser „London-Tier“ – ein Eichhörnchen. Neben Schwärmen von grünen Papageien leben im Hydepark unzählige meist graue Eichhörnchen. Superproben. Alexandra findet sich gut im Raum zurecht. 

9 Okt 22 – Sonntag

Nach dem Frühstück eine lange Probe. Intensiv, launig, produktiv. Wir arbeiten schon seit 20 Jahren zusammen und verfeinern unsere „Sprache“ immer weiter. Macht Freude! Den speziellen Raum und die im Unterschied zur Wiener deutschsprachigen Fassung von 2016 vollkommen neu erarbeitete englischsprachige Textfassung – dank Gitta Honeggers großartiger Übersetzung! – aneinander zu binden und in spielerischer Leichtigkeit den Humor des vielschichtigen Jelinek-Textes hinzukriegen – ist unser Anspruch.  

10 Okt 22 – Montag

Wir proben gleich am Morgen, im Kulturforum ist nach dem Wochenende wieder Betrieb. Heute reist der Klangregisseur Wolfgang Musil an, die Technik wird geliefert. 

Es wird unruhiger und ein wenig angespannter; wir wissen, dass wir schon zwei Tage später mit der Generalprobe vor Publikum sind. Vor der Abendprobe – das Team ist jetzt komplett – letze Checks am Kostüm, der Maske, der Frisur. 

11 Okt 22 – Dienstag

Die technische Einrichtung ist so gut wie fertig. Schauspielerin und Klangregisseur sind Partner – Alexandra spricht verstärkt – nicht, weil wir Sorge haben, dass sie nicht überall gehört werden kann, sondern weil wir mit unterschiedlichen fein dosierten Tonqualitäten arbeiten. Wir nutzen alle Zugänge zum Raum, lassen die Türen offen, Kompositionsmaterial von Wolfgang wabert herein, Alexandra übernimmt mit Text, ist manchmal nur über einen bestimmten der vier im Raum installierten Lautsprecher zu hören. Es entstehen Klangräume, akustische Akzente – durch die sich die Jelinek´sche Sprache ihre Wege bahnt. 

12 Okt 22 – Mittwoch

Vormittags: eine konzentrierte Arbeitseinheit – wir proben nochmals technische Details und Übergänge, feilen an den Harmonien des Zusammenspiels zwischen Alexandra und Wolfgangs musikalischem Einsatz, lassen einzelne Passagen als Geläufigkeitstraining durchlaufen. Mittagsruhe. Wolfgang hat in der Nacht zuvor das Mischpult vollkommen neu aufgesetzt und arbeitet am Nachmittag weiter. 

Abends: Generalprobe vor Publikum. Ich bin nervös, mag es nicht so gerne, mitten im Publikum zu sitzen – hier geht es nicht anders, ich lese mit, um, für den Fall, der bei Alexandra ohnehin nie eintritt, einen Hänger abzufangen und bin im ständigen Augenkontakt mit Musil. Publikum bleibt dran. Abend, wie es bei einer Generalprobe sein soll – noch nicht voll entfaltet. 

13 Okt 22 – Donnerstag

Premierentag. Keine Probe mehr, lediglich letzte Besprechung jeweils unter vier Augen mit Alexandra und auch Wolfgang. Jede/r zieht sich zurück und bereitet sich für den Abend vor. Volles Haus. Alexandra entwickelt eine Leichtigkeit und Freude beim Spiel wie es selten bei einer Premiere ist, auch Musil in Bestform. Publikum dankt es mit großer Aufmerksamkeit, viel Applaus, super Rückmeldungen und recht langer Anwesenheit beim anschließenden Umtrunk. Leider konnten weder die Direktorin des Kulturforums noch die seit Planungsbeginn großartig unterstützende Produktionsleiterin vor Ort teilnehmen – noch einmal hatte Corona zugeschlagen. 

14 Okt 22 – Freitag

Freier Tag in London. Jede/r geht seinen/ihren Interessen nach, am Abend ins wunderbare Imperial China in Soho – auf Empfehlung eines Premierengastes übrigens – zum gemeinsamen Abendessen. Bei aller Freude, dass SHADOW. Eurydice says nach vielen Verschiebungen endlich Premiere hatte, entgeht uns nicht, dass es in London vielen Menschen wirklich nicht gut geht. Die Schere zwischen denen, die ein gutes Leben haben und denen, die drei Jobs nebeneinander annehmen müssen, um die Grundbedürfnisse des täglichen Lebens zu decken, klafft weit auseinander und ist nicht zu übersehen. 

15 Okt 22 – Samstag

Nach intensiven Tagen mit einer wirklich guten Premiere, interessantesten Begegnungen mit Zuschauer:innen, den immer unterstützenden Mitarbeiter:innen im ACF und einer Vielzahl von London-Eindrücken geht´s zurück nach Wien. Nebenbei bemerkt – wir hatten die gesamten neun Tage bis auf einen zehnminütigen Regenguss herrliches Wetter – und das in London! 

New York und Washington im Februar/März 2023 sind unsere nächsten Stationen. Wir freuen uns drauf!

sabmitt Okt 2022 

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©theater.punkt | ACF London

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©theater.punkt | King´s Road

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©theater.punkt | Imperial China

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©theater.punkt | Wolfgang Musil

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©theater.punkt | Skyline London

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©theater.punkt | Alexandra Sommerfeld

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©theater.punkt | Alexandra Sommerfeld

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©theater.punkt

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©theater.punkt